Moringa, der „Wunderbaum“
Gehirn und Knochen, Nerven und Stoffwechsel können
mit den Blättern des „Meerrettich-Baumes“, Moringa
olifeira, reguliert werden. Jetzt wurde die alte ayurvedische Heilpflanze
als ideale Nahrungsergänzung wiederentdeckt
Von Ulrich Arndt
Über
300 Erkrankungen von Schwächezuständen und hohem Blutdruck
bis Osteoporose und Diabetes können mit dem „Wunderbaum“ behandelt
werden. In der ayurvedischen Medizin ist seine Heilkraft schon
seit Jahrtausenden bekannt. Seine Blätter sind ein natürliches,
außergewöhnlich vielseitiges Multi-Vitamin und –Mineralstoffkonzentrat,
seine Samen befreien Wasser von Bakterien und Viren und liefern
ein kosmetisches Öl und die Früchte sind Bestandteil
von Curry-Mischungen: „Moringa olifeira“ heißt
der Baum, der wegen seiner vielfältigen Wirksamkeit auch „Wunderbaum“ genannt
wird. Je nach Region ist er auch als Meerrettichbaum, Trommelstockbaum
und Behenbaum bekannt.
Ursprünglich stammt der Baum aus der Himalya-Region in Nordwestindien,
jedoch wächst er heute weltweit in den tropischen und subtropischen
Regionen der Erde in Afrika, Arabien, Südostasiens und den karibischen
Inseln. Seit Jahrzehnten wird er in der indischen Bangalore-Region kultiviert.
In Ostafrika gibt es ebenfalls erste Anpflanzungen, wo er insbesondere
als natürliches Heilmittel im Kampf gegen Unter- und Fehlernährung
genutzt. In den Blättern des Moringa-Baumes sind nämlich sämtliche
lebenswichtige Aminosäuren und Fettsäuren enthalten sowie eine
große Bandbreite an Vitaminen und Mineralstoffen. Da der Baum gerade
in jenen Ländern der Erde gut wächst, in denen oft auch der
Hunger groß ist, kann seine gezielte Nutzung Mangelzustände
lindern helfen. So berichten Mitarbeiter von „terre de hommes“,
dass Kinder eines Projektes in Zimbabwe durch nur drei Esslöffel
Moringapulver pro Woche deutlich gekräftigt wurden. Zugleich bietet
der Export des Blattpulvers als Nahrungsergänzung in den Westen
den Dorfgemeinschaften neue Einkommensmöglichkeiten. Umso unverständlicher
ist es, dass der Nutzen des Moringa-Baumes immer noch weitgehend unbekannt
ist.
Ideale Nahrungsergänzung
Prof. Klaus Becker vom Tropenzentrum der Universität
Hohenheim betont, „der Moringa-Baum ist außerordentlich
hilfreich gegen ernährungsbedingte Krankheiten – sowohl
bei Unterernährung als auch bei westlicher Fehl- und Mangelernährung – ein
Phänomen unter den Nahrungs- und Heilpflanzen.“ So deckt
schon die Menge von einem Esslöffel täglich den Tagesbedarf
an wichtigen Spurenelementen wie Eisen zu 42%, Mangan zu 55%, Chrom
zu über 100%, Bor zu 50% und bei Mineralstoffen wie Calcium
zu 30% und Magnesium zu 15%. An Vitaminen enthält ein Esslöffel
Moringa-Blattpulver (=15g) bei Vitmain B1 35% des Tagesbedarfs,
bei B2 über 200%, B6 zirka 20%, B7 rund 46%, B9 (Folsäure)
39%, Vitamin E zu 120% und Beta Carotin zu 50%. Ebenso sind alle
essentiellen Aminosäuren enthalten, so etwa Leucin (30% des
Tagesbedarfs), dessen Einnahme bei Schwäche, Müdigkeit
und Stress empfohlen wird, Tyrosin (22% des Tagesbedarfs) und Tryptophan
(26% des Tagesbedarfs), denen ein positiver Einfluss bei Schlafstörungen
und negativen Stimmungen zugesagt wird und Threonin (36% des Tagesbedarfs),
welches die Abwehrkräfte unterstützt.
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Moringa
enthält außerdem noch eine Vielzahl an anderen wichtigen
Vitalstoffen wie etwa das Pflanzenhormon Zeatin, ein wichtiger
Regulationsfaktor der Zellen und eine starke Antioxidantie und
daher zellschützend und zellregenerierend. Zwar findet man
Zeatin in vielen Pflanzen, jedoch meist nur in Mengen von unter
einem Mikrogramm pro Gramm. Das Moringa-Blatt dagegen enthält
mehr als das Hundertfache je Gramm.
Verkanntes Spurenelement
Bor
Ähnlich außergewöhnlich ist der hohe
Gehalt an Mangan, Chrom und an dem seltenen Bor in Moringa. Mangan
ist unter anderem für gesunde Gelenke und Knochen wichtig
und Chrom kommt im Stoffwechsel und bei Stressbelastung eine zentrale
Bedeutung zu. Bor wurde bisher nicht zur Gruppe der lebenswichtigen
Spurenelemente gerechnet, doch in den letzten Jahren wird seine
Bedeutung immer mehr erkannt: Bor ist grundlegend für den
Aufbau von Serin, einer Aminosäure, die in nahezu allen Proteinen
des menschlichen Organismus enthalten ist. Bor spielt für
den Calcium-, Magnesium und Phosphorhaushalt eine dominante Rolle
und medizinisch wird erfolgreich bei Osteoporose eingesetzt. Es
reduziert stressbedingte Oxidation, hemmt die Zellteilungsrate
von Zellen ohne Differenzierung (wie Krebszellen) und ist dasjenige
Spurenelement, was normalerweise im Gehirn am meisten zu finden
ist. Fatalerweise
wird es aber von Aluminium verdrängt: schon ein Aluminiummolekül
verdrängt drei Bormoleküle. Aluminium aber kann die Nervenzellen
beeinträchtigen, die Nieren schädigen und das Immunsystem
schwächen. Auch bei Alzheimer wird ein Zusammenhang mit hohen
Aluminiumkonzentrationen diskutiert. Heute ist bekannt, dass Bor
allen Organismen als Neutronenfänger dient und an der Photonen-
und Quantenübertragung der Zellen und damit auch an der Informationsübertragung
im Gehirn beteiligt ist. Aurasichtige Personen konnten einen direkten
Zusammenhang zwischen dem Borgehalt im Körper und der Intensität
der Aura erkennen. Elementares Bor ist jedoch giftig, als Nahrungsergänzung
eignen sich daher nur Pflanzen mit hohem Borgehalt – allen
voran Moringa-Blätter, die mit 31 Milligramm je 100 Gramm
den höchsten Gehalt besitzen. Größere Mengen an
organischen Borverbindungen besitzen sonst nur Quitten (ca. 10mg
je 100g), Mandeln (3,4mg) und Rote Beete (2,1mg je 100g).
Wasser-Reinigung mit Moringa
In der modernen Medizin werden heute Extrakte aus
Moringa olifeira vor allem wegen ihrer ausgleichenden Wirkung auf
das Nerven- und Hormonsystem und für die Stärkung der
Abwehrkräfte eingesetzt. Jeder kann aber die erstaunliche
Wirkkraft des Moringa-Baumes in Form von Blattpulver nutzen. Das
Pulver kann in Suppen, Speisen und ins Müsli gestreut, als
Tee getrunken oder in Form von Kapseln eingenommen werden. Als
Tee hat Moringa einen Geschmack, der ein wenig an Brennnesseln
erinnert; beim Einnehmen des Pulver wird die leichte Schärfe
von den enthaltenen Senfölen deutlicher spürbar. Gerade
dieser pikante Geschmack macht es als Würzzugabe in Speisen
interessant.
Zu einem „Fernsehaufritt“ in der ARD („Die große
Show der Naturwunder“ von Ranga Yogeshwar) brachte es die Moringa-Pflanze
2007 wegen einer ganz anderen verblüffenden Eigenschaft: Ein Zehntel
Gramm der Moringa-Samen genügen, um ein Liter Wasser bakterienfrei
zu machen. Eines der vielen „Wunder“, die dem Baum zu seinem
Ehrentitel verhalfen.
Nähere Informationen:
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| Buch: Bruhns/Zgraggen: „Der Wunderbaum
Moringa“, Hesper-Verlag, € 9,95, ISBN 978-3-9812259-1-4 |
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Bildquellen: ©sanleaf; andre benedito/flickr
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