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Erschienen in: NEWs AGE 02/2007
(Seite 41) |
Die Freiheit des Zen
„Alle Denksysteme, all die künstlichen
Philosophien und Religionen, die geschaffen wurden, sind nur Folgeerscheinungen
gehirnakrobatischer Spekulation, und deshalb bedürfen sie
ständig neuer Krücken, Gerüste und Denkstützen,
damit sie nicht in sich zusammenbrechen.“ So betont Zensho
W. Kopp, einer der wenigen, wirklich authentischen Zen-Meister
Deutschlands und Europas, und räumt ein: „Viele Menschen,
glauben, auch Zen sei eine ganz schwierige Angelegenheit – es
wird immer eine große Geheimnistuerei um Zen gemacht, doch
ich sage euch: Zen ist ganz einfach.“
Von Ulrich Arndt
Auf
zeitgemäße und oftmals erfrischend unkonventionelle
Weise lehrt Zensho ein vollkommen freies Zen, das an keine bestimmte
Form gebunden ist: „Wenn ihr krampfhaft versucht, die Erleuchtung
durch stundenlanges Sitzen mit gekreuzten Beinen zu erlangen,
tötet ihr den wahren Geist des Zen“, kritisiert er
beispielsweise und beruft sich dabei auf die alten chinesischen
Meister, die diese falsche Form der Meditationspraxis „die
Geisterhöhle des toten Nichts“ nannten. Es sei ein
gewaltiger Irrtum zu glauben, dass es im Zen nur darum gehe,
die Stille des Geistes zu verwirklichen. „Deshalb praktizieren
wir nicht jene knochenbrecherische, japanische Kamikaze-Form
des Zazen, wo man nur noch wie versteinert auf dem Meditationskissen
sitzt und gegen die Wand glotzt“, formuliert der Zen-Meister
drastisch, denn die Sitzmeditation allein ist in Wirklichkeit
noch keine vollständige Meditationspraxis.
In direkter Dharma-Nachfolger von Zen-Meister Soji Enku (1908-1977) unterweist
Zensho als einer der bedeutendsten Zen-Meister der Gegenwart im Wiesbadener
Zen-Zentrum eine große Gemeinschaft von Schülern. Dabei bemüht
er sich insbesondere, um die „Erweckung der Schüler aus dem
alltäglichen Schlummer der Gewohnheiten“, denn sie hindern
am unmittelbaren Erleben der Wirklichkeit. Beim wahren Zen gehe es vor
allem um die „Haltung des Geistes von Augenblick zu Augenblick – bei
allem, was man tut, und ohne Unterbrechung“, das ist das ursprüngliche
lebendige Zen der alten Meister, betont Zensho, „...alles andere
sind krankhafte Auswüchse überspannter Gehirne.“
In
der Praxis des Zen gehe es vielmehr darum, einen „nichtanhaftenden
Geist“ zu bewahren, überall und zu jeder Zeit -, so
dass man in freier, nicht-identifizierter Weise mit den Dingen
umgeht: Etwa dass man lernt, Dinge zu besitzen, ohne dass die Dinge
einen besitzen. Dass man handelt ohne Ich-Bezogenheit, so dass
man innerlich frei ist vom Handeln. In dem Augenblick, wenn man,
ohne sich anzustrengen, gelöst und natürlich bleibt,
dann ist da keine Ego-Fixierung mehr und kein künstliches
Gehabe, „da ist nur noch der Geist des Wu-wei, des Nicht-tuns,
und der Geist des Wu-nien, des Nicht-Denkens“, erklärt
Zensho. In einer solchen Verfassung „einer heiteren Widerspiegelung
des Geistes“ lösen sich Anhaftungen und Identifikationen
des Menschen – Gier, Hass und Verblendung – auf, ebenso
Verzweiflung, Leiden an Krankheiten, Schmerz und Tod. „All
das löst sich auf, und ihr steht in der allumfassenden Ganzheit
des Seins. Nicht dass ihr dann nicht mehr altern und sterben werdet,
aber es geschieht einfach so. Die Dinge geschehen ganz natürlich“,
so Zensho. Dies und vieles mehr erklärt der Zen-Meister in
Form von Vorträgen, die in seinem neuen Buch „Die Freiheit
des Zen“, mit dem Untertitel „Das Zen-Buch, das alle
Begrenzungen sprengt“, zusammengefasst sind – oftmals
provokant, aber immer basierend auf vielen Zitaten alter chinesischer
Zen-Meister.
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